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Florian W. Müller - Zwischen Realität und Emotion

Aktualisiert: Mai 11

„Fotografieren ist für mich wie auf Zehenspitzen in eine Welt jenseits der visuellen Wahrnehmung zu schleichen. Ich versuche, mir den Raum zwischen Emotion und Realität vorzustellen.“ - Florian W. Müller


Florian W. Müllers Repertoire bildet eine große Spannweite, die von Werbefotos für Porsche über rein ästhetische Landschaftsaufnahmen zu sozialkritischen Fotografien reicht. Nach verschiedenen Stationen als Set/Standfotograf bis zu Filmproduktionen und verschiedenen Aufträgen von Werbeagenturen reifte der Wunsch, eine eigene, eigenständige Form der Fotografie zu entwickeln und zu etablieren, um den Kontext fotografischer und künstlerischer Praxis zu erweitern.


Dies wird in seinen sehr unterschiedlichen, künstlerischen Arbeiten ersichtlich. Es gelingt ihm in ihnen auf vielfältige Weise immer wieder, die Grenzen des Mediums Fotografie zu überschreiten. Wir kennen die Fotografie doch eigentlich für ihre vermeintlich getreue Abbildung der Realität. Im ersten Schritt mag sie das auch sein, aber der zweite Schritt ist der künstlerischen Freiheit überlassen.




Beeinflusst von einem anderen professionellen Aspekt, der Kommunikation, entstanden im Laufe der Zeit mehrschichtige und mehrdeutige Bilder, die virtuell eine Interaktion mit dem Betrachter erfordern. In seinen freien Arbeiten bricht er dadurch in eine andere Dimension auf. Die der Nicht-Realität. In die Welt der Fantasie oder des Traums, auch der Reduktion und Abstraktion. Er taucht mit seiner Kamera in eine Welt ein und lässt dabei das scheinbar Unmögliche und kaum Vorstellbare sichtbar werden. Die Abstraktheit, die erkennbar ist, ist nicht als Alternative der Realität zu deuten, sondern als Sichtbarmachung des Tatsächlichen.


Charakteristisch für seine Arbeiten sind die innovativen Techniken mit denen er arbeitet. So beispielsweise der „Multilayer”-Effekt, der auf einer vielfachen Belichtung des Bildmotivs basiert. Mit diesen zeigt er uns das Ungewöhnliche im Gewöhnlichen wie etwa die Schönheit des Käfers in der Serie SAMSA oder auch die Stimmung eines Waldes durch surreale Elemente wie einem fliegenden Baumstamm (R.E.M.), der das Innere der eingefangenen Landschaft nach außen kehrt.

Besonders hervorzuheben sind die als Unikate angefertigten Leuchtkästen, bei welchen er Fotografien in mehreren Schichten überlagert und mit LED-Leuchten zu einer einzigartigen Strahlkraft bringt.




Es ist aber nicht nur die Darstellungsform und Technik, die kennzeichnend sind für Florian W. Müllers Werke, sondern auch die von ihm gewählten Bildthemen als solche: In seiner Bildserie „ANIMA. Silenced Souls“ etwa thematisiert der Künstler das Aussterben von Tierarten, indem er ausgestopfte Tiere stimmungsvoll und mit nur zarten Kontrasten zart aus dem Dunkel heraustreten lässt. In der oben genannten Serie „Samsa“, die von Kafkas Erzählung „Die Verwandlung“ inspiriert ist, werden die kleinen, vermeintlich abstoßenden Tier-Präparate ikonisch, groß und farbenreich inszeniert und abstrahiert, was sie in völlig neuer Weise erstrahlen lässt. Dies gelingt unter anderem durch die Präzision, in welcher er die Käfer in einer Auflösung von 187 Megapixeln festhält.

Als Fotograf ist Florian W. Müller Autodidakt. Er erschließt sich mit seiner Kamera eine Welt, die das scheinbar Unmögliche und kaum Vorstellbare sichtbar werden lässt.



Die Arbeiten von Florian W. Müller bewegen sich auf einem schmalen Grad zwischen Realität und Fiktion – einer Welt von Fantasie und Traum. Die Grenzen zwischen Gegenständlichem und Abstraktem verschwimmen in seinem Werk. So schaut man auch in „Crumble in the woods“ zunächst in einen Wald, lässt seinen Blick in einem Gewirr aus Ästen und Bäumen schweifen. Aus dem dunklen Dickicht heben sich die Äste empor, scheinen den Betrachterblick auf die Unbegrenztheit und Ungewissheit des Himmels zu lenken.


Erlaubt man sich aber länger vor der Installation stehen zu bleiben, kneift bei der Betrachtung vielleicht sogar kurz die Augen zusammen, so eröffnet sich eine ganz andere Perspektive. Die Äste wandeln sich, werden zu dunkelgrünen Äderchen aus Tinte, werden zu Strängen, die Bewusst- und Unterbewusstsein miteinander verlinken. Ausgeruht wacht man nach der Bildbetrachtung aus seinen Tagträumen auf.

Die ursprünglichen Bildmotive mögen der realen Realität entstammen. Florians Zusammensetzung der Bilder, die nachträgliche Bearbeitung, sein Spiel mit dem Medium Fotografie und der Einsatz von Technik, eröffnen den Zugang zu einer anderen Realität. Durch die Kombination aus Bild im Hintergrund und Bild auf der Plexiglasscheibe entsteht eine perspektivische Tiefe – ein Zwischenraum, der sich weit über das Optische hinaus erstreckt und Platz für das Gedankenschweifen bietet.

Genau in diesem Zwischenraum verliert man sich im Bild. Man meint das Gesehene zu erkennen, fängt an zu kategorisieren, in eine Schublade zu ordnen, spürt aber instinktiv, dass sich in Florians Werk mehr verbirgt. Vor seinen Werken bleibt man stehen, hält inne, versucht zu verstehen, versinkt.


Mehr über Florian W. Müller findet ihr auf https://www.princehouse.de/florian-w-mueller .





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