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ANNETTE BESGEN

Meine Bilder schwanken zwischen subtiler Monochromie und entgegengesetzter Farbigkeit, zwischen harten Flächen und saugenden Tiefen, zwischen Licht und Schatten, Konfrontation und Meditation, zwischen Zeitmoment und Zeitlosigkeit.
– Annette Besgen 

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VERFÜGBARE WERKE 

Die Abstraktion der Wirklichkeit oder die Ewigkeit im Augenblick

Annette Besgen wurde 1958 geboren. Ihr Kunststudium mit dem Schwerpunkt Malerei absolvierte sie an der Universität Siegen. Es folgten diverse Stipendien, welche ihr unter anderem einen Aufenthalt in der Cité Internationale des Arts in Paris ermöglichten sowie die Teilnahme am International Studio Program in New York City. Hinzu kommen zahlreiche Arbeitsaufenthalte im Ausland sowie ein Lehrauftrag im Fach Kunst an der Universität Paderborn. Ihre Werke werden regelmäßig in internationalen Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt. „Meine Bilder schwanken zwischen subtiler Monochromie und entgegengesetzter Farbigkeit, zwischen harten Flächen und saugenden Tiefen, zwischen Licht und Schatten, Konfrontation und Meditation, zwischen Zeitmoment und Zeitlosigkeit“, erklärt sie.

Wie das Ephemere, Flüchtige, Schwerelose im Bild festhalten, ohne es darin einzuschließen? 

Licht und Schatten sind Phänomene, die untrennbar miteinander verbunden sind, wie auch das Hauptsächliche nicht ohne das Nebensächliche, das Flüchtige nicht ohne das Beständige, das Absichtsvolle nicht ohne das Zufällige und das Besondere nicht ohne das Allgemeine sein kann. Ja, die Bedeutung des einen wird erst in der Abgrenzung zum anderen überhaupt sicht- und greifbar. Das Flüchtige, schwerelose liegt irgendwo dazwischen.

Die Künstlerin Annette Besgen ist fasziniert vom Alltäglichen, Banalen, Nebensächlichen. Mit fotografischen Ausschnitten, die für sie wie „Skizzen“ funktionieren fängt sie Perspektiven und Ansichten ein, die dann in der malerischen Aneignung zu vieldimensionalen Werken werden. Immer spielen Licht und Schatten eine wesentliche Rolle, immer sind diese atmosphärisch auf eine natürliche Quelle zurückzuführen: Ein fast dreidimensionales Gitter in gleißendem Licht und starkem Schattenwurf, ausschnitthafte Ansichten von Öltürmen aus zartem blau, der Teil einer Pflanze vor roter Wand, die fragmentarische, backsteinhafte Ansicht eines entrückten Berges. Wie der Begriff „Spiel von Licht und Schatten“ bereits suggeriert, wird dieses als Prozess, als Bewegung verstanden. Von einem solchen Spiel greift Annette Besgen einen Moment heraus, der auf die anderen, nicht gezeigten, verweist.

„Schatten haben etwas Flüchtiges an sich, sie lassen sich nicht festhalten, verändern sich dauernd, sind abhängig vom gegebenen Lichteinfall und können gar völlig verschwinden. Durch den Wechsel von Licht und Schatten nehmen Gegenstände und Körper Gestalt an, feinste Reflexe auf der Oberfläche lassen uns die stoffliche Beschaffenheit dieser Gegenstände oder Körper erahnen. Den Schatten ist immer der Aspekt der Zeitlichkeit inhärent. Einerseits verweist der Schatten auf einen spezifischen Augenblick, in dem das Bild verharrt, andererseits impliziert er aber auch das Prinzip der Sonnenuhr und damit den Fortgang der Zeit.“ so Annette Besgen

Die dargestellte Atmosphäre ist so viel „größer“, als der gezeigte Bildausschnitt, räumlich wie auch zeitlich, sie dehnt sich förmlich über den Rahmen hinaus in den Betrachterraum aus und reflektiert so Dimensionen von Wirklichkeit und Wahrnehmung.

Bei Arbeiten wie „into the blue“ oder „Fjord“ treffen nochmals in anderer, faszinierender Weise Wirklichkeiten, Landschaften, aufeinander. Ausschnitthaft sehen wir ein Plakat, Abbild (?) einer Wirklichkeit an einem anderen Ort zu einer anderen Zeit als die vor uns befindliche, ausschnitthafte Szenerie, die wir etwa durch die Andeutung von Backsteinen erahnen. Der Ausschnitt ist unsymmetrisch, scheinbar zufällig wie durch die Linse einer Kamera im Vorbeigehen eingefangen. Gemeinsam ist den verschiedenen Wirklichkeitseben der Schatten und das Licht, die aus dem Raum stammen, der im Bild nicht zu sehen ist und in dem sich der Betrachter selbst befindet. Bei den Arbeiten haben wir es mit einer irritierenden Dialektik von Abbild und Bild zu tun. Für den Betrachter ist zwar eine gewisse Erkennbarkeit gegeben, aber so rudimentär, dass es ihm kaum möglich ist, eindeutige Rückschlüsse auf die außerbildliche Wirklichkeit zu ziehen. Die Bilder zielen nicht auf Identifizierung, sondern eröffnen die Freiheit zu schauen. Alles Anekdotische, alles Lebhafte oder Ortsspezifische ist ausgeblendet zugunsten einer größeren formalen Komposition und Abstraktion.

Annette Besgens Werke sind im besten Sinne banal und bei genauerer Betrachtung erscheint die Poesie des Alltäglichen in immer neuen Wirklichkeitsschichten. Die Verbindung von fotografischem Ausschnitt und malerischer Bearbeitung verleiht den Bildern eine ganz eigene Ästhetik. Die dargestellten Dinge werden in ihren Arbeiten nicht selbst zum Thema gemacht, sie sind im Grunde oft banal, jedoch evozieren eben sie die Atmosphäre und Wirklichkeitsreflexion.