GERHARD WINKLER

„Wenn ich dieses “Etwas” in einem Ort oder einer Situation erkenne, wird alles andere sowieso sekundär. Ich kann dann diesen Ort auch nicht mehr als hässlich empfinden, sondern finde ihn fast zwangsläufig schön.

– Gerhard Winkler

VERFÜGBARE WERKE 

Gerhard Winkler ist ein deutscher Fotokünstler. 1962 in Bürstadt, Hessen geboren, studierte er von 1983 bis 1988 an der Frankfurter Städelschule und ab 1989 an der École des Beaux-Arts in Marseille. Ein DAAD-Stipendium führte den Künstler 1992 nach Lissabon. 

Um die Arbeiten von Winkler zu “verstehen” - falls man dies wünscht - hilft es, sich in seine Texte zu vertiefen. Neben seinen fotografischen Arbeiten hat Winkler zahlreiche Publikationen verfasst und sogar einen Roman geschrieben. ”Krakenkaufen« (2014) nennt sich dieser. Darin schildert Winkler auf 953 Seiten ein Sommer-Wochenende eines Künstlers im Marseille des ausgehenden zwanzigsten Jahrhunderts. Begleitet wird der Roman durch thematisch passende Bilder von Fischen, was nicht verwundert, wenn man weiss, dass Winkler diese seit beinahe 30 Jahren notorisch fotografiert.

Das Beispiel der Fische sowie auch Winklers Schreibstil mögen exemplarisch für sein Gesamtwerk stehen. In seinen Schwarz-Weiß-Abzügen, die er nachträglich mit Eiweiß-Lasurfarben koloriert, erhebt er das Alltägliche zum Thema. Er beschreibt. Winkler sucht seine Motive nicht, er findet sie. Banal und hässlich wirken einige von ihnen  auf den ersten Blick. Doch diese sehr eigene Handschrift Winklers und seine eigenwilliger Eingriff in das Bild selbst, befördern oft eine ureigene Gestalt zutage, die ein erster Blick niemals erfassen wird. 

Was in Winklers Arbeiten passiert ist einmalig: Einerseits das kalte, rationale Aufnehmen mittels Fotoapparat, der fast schon sezierend, dokumentarisch agiert. Im nächsten Schritt dann das Einhauchen von erneutem Leben durch die Eiweiß-Lasurfarben, was dem zweidimensionalen Medium etwas mehr Tiefe verleiht. 

Mit ihrer unnatürlichen Natürlichkeit und in ihrer merkwürdigen Schönheit des Alltäglichen hinterlassen Winklers Arbeiten garantiert einen Eindruck beim Betrachter. Und wer meint keinen direkten “Zugang” zu Winklers Arbeiten finden zu können, steht doch als fragender und reflektierender Mensch vor ihnen und ist schon im Dialog mit ihnen. 

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