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GERLINDE ZANTIS

Es sind die dichten Steineichenwälder und die kleinen Bachläufe mit ihren Schluchten in der Region Ardèche, im Süden Frankreichs, die ich auf Wanderungen mit Bleistift, Farbstift und Pastellkreiden nachspüre und notiere. Die Hitze des Tages, die Stille in den einsamen, menschenleeren Landschaften, aber auch das Licht der Mondnacht zieht mich seit über 20 Jahren in diese heiße, trockene Region.“

– Gerlinde Zantis

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VERFÜGBARE WERKE 

Zwischen Beobachtung und Inszenierung im Licht der Dämmerung

Die Ardèche im Süden Frankreichs findet sich als Motiv auf zahlreichen Zeichnungen der Künstlerin Gerlinde Zantis. Jedes Jahr ist sie über Wochen dort mit ihrem Skizzenbuch und Stift vor Ort, oft auch nachts, an Orten, an welchen kein menschliches Licht zu finden ist, nur der Mond. Tags darauf kehrt sie an den Ort des Geschehens zurück und fotografiert ihre Motive. Ihre Pastellzeichnungen vereinen dann all diese Elemente zu einer Gesamtheit: Schemenhaftigkeit und Unschärfe der Nacht, klares Mondlicht, fotografische Wirkung und so entsteht eine ganz eigene Stimmung, die real und surreal zugleich wirkt. Die Stille dieser Mond-Nächte spürt der Betrachter sofort. Das langsame Verblassen der Farben und die Auflösung aller Konturen verbunden mit fotografischer Klarheit ziehen in den Bann und lassen wundervolle, atmosphärisch dichte Zeichnungen entstehen, in denen dennoch auch eine ganz besondere Sachlichkeit zu spüren ist.

Um ihren Motiven nah zu sein steigt Gerlinde Zantis in Flussbetten, klettert über Geröll, ist mitten drin in der Natur, die sie skizziert. Zumeist ist sie allein: kein Mensch, kein Weg, kein Kontakt zur Außenwelt – auch kein Handyempfang. Die gewählten Kompositionen und Ansichten sind nicht repräsentativ, wirken teils eher ausschnitthaft, nah an dem was gezeigt wird. Auch der Betrachter ist Teil der Natur, die ihn unmittelbar umgibt und fast haptisch dreidimensional wirkt. Wir entdecken sie nicht im Überblick, sondern schreiten sie mit dem Auge entlang in die Tiefe des Bildes hinein, bis sich uns der Blick durch Geröll oder den Rahmen auf die weitere Landschaft verwehrt und wir fast schon versucht sind, selbst ein paar Schritte zu tun, um hinter den nächsten Felsen zu blicken. Dabei hat man den Eindruck, das klare Wasser vor unseren Augen direkt berühren zu können.

In diesem Sinne sind die Landschaften Gerlinde Zantis‘ also naturalistische Abbilder des Gesehenen, wirken vielleicht sogar distanziert dokumentarisch. Auch die Bildtitel selbst, welche oft etwa die Nummer des jeweiligen Départements sowie schlichte Ortsangaben enthalten, unterstützen diesen Eindruck. Jedoch sind ihre Werke so in der Natur nicht wiederzufinden: oft werden verschiedene Ansichten kombiniert, Licht und Natur verdichtet, malerisch verändert. Das Werk repräsentiert auf diese Weise die Stimmung und Atmosphäre eines Ortes, wie sie sie Gerlinde Zantis bei der Betrachtung erlebt und sieht.

Überhaupt: Dass es sich um Zeichnungen handelt, erkennt man erst auf den zweiten Blick, verbinden wir damit doch gemeinhin auch die Dominanz der Linie. Gerlinde Zantis‘ Zeichnungen sind malerisch und zeichnerisch zugleich: Scharfe Konturen und zeichnerische Strukturen stehen im Dialog mit malerischen Oberflächen, Licht und Haptik. Das Unmittelbare der Zeichnung und das Haptische des Pastells, das mit den Fingern verwischt und gemischt wird. Die Künstlerin vermag es in beeindruckender Weise, die Eigenheiten der Pastellzeichnung mit ihrer malerischen Dichte zur Wirkung zu bringen. 

Neben Naturdarstellungen finden sich bei Gerlinde Zantis auch Landschaften mit Häusern und Straßen, ebenfalls in Pastell, ebenfalls oft im Wechsel von Dämmerung und kristallklarem Licht. Gerlinde Zantis sucht dieses Dämmerlicht, schärft die Lichtkanten an den Häuserecken, hellt Wetterwände auf, bis sie blenden. Die dargestellten Häuser wirken so ganz anders als die Naturdarstellungen: fast schon geometrisch, blockhaft, flächig treten sie in starken Kontrast zur sie umgebenden Natur.  

In der Ausstellung Land//Scapes präsentiert die Prince House Gallery Wasserbilder, Wälder und auch Haus- und Straßenansichten der Künstlerin. Das fragile Moment Ihrer Naturerfahrung prägt sich ein in die zarte und ebenso fragile Materialität ihrer Malkreide.

Bereits seit ihrer Kindheit zeichnet Gerlinde Zantis, immer am liebsten das, was man sieht, was selbstverständlich um uns herum ist, was uns kaum auffällt. Die Künstlerin lebt und arbeitet in Aachen und Friedrichshafen. Sie hat an der FH Aachen mit Schwerpunkt Zeichnung studiert, erhielt Förderpreise und Stipendien und ist Mitglied der Münchener Sezession. Während ihrer ausgedehnten Reisen vor allem nach Südfrankreich entstehen Skizzen und Fotomaterial, die sie zurück im Atelier auf kleinere und teils sehr große Formate überträgt und ausarbeitet. Ihre Werke präsentieren sich teils mit, teils ohne Glas in schlichten, modernen Rahmen, was die Bildwirkung noch untermalt.