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Luca Zanier - Architektur der Macht


Luca Zanier hält menschenleere Orte fest. Dabei handelt es sich um Räume, die wir aus Fernsehen und Zeitung kennen und die meist menschenvoll sind. Es sind Orte an denen bedeutende Entscheidungen getroffen werden, Orte der Macht. Menschenleere Räume, die allein durch ihre Architektur und Beleuchtung wirken.



Macht und Ästhetik oder gar Schönheit sind Begriffe, die immer schon eng verwoben waren und sind. Der Blick auf die Macht und auch auf ihre Schönheit birgt durchaus auch Raum für kritische Betrachtung, zeigt Spannungsfelder und Grenzen auf, stellt Fragen nach Anpassung, nach Grenzen von Arm und Reich, drinnen und draußen, offen und geschlossen.

Sein Bildrepertoire reicht vom Tagungsraum des FIFA Exekutivkomitees am Zürichberg bis hin zur Frankfurter Börse: Interessant ist, dass diese auch ohne das Dasein von Figuren wirken. Sie haben durch die Architektur so eine Ausstrahlung, dass man instinktiv erkennt, dass diese Räume bedeutend sind. Die Szenen bei Luca Zanier sind also keine Nicht-Orte: Sie haben eine Aura, die womöglich durch ihre Historizität entsteht, durch unser Wissen darüber, dass an diesem Ort wichtige Entscheidungen getroffen werden, aber auch durch die Architektur selbst.

"This is the power I want to show" - Luca Zanier

Bei der Bildbetrachtung gehen wir Kunsthistoriker meist methodisch vor. Wir lassen das Bild als Ganzes auf uns wirken, helfen uns aber bei der Beschreibung und Analyse, indem wir es in seine Einzelteile zerlegen. Personenkonstellationen, Bewegungs- und Blickachsen als geometrische Formen oder die Einteilung in Vorder-, Mittel- und Hintergrund – das alles hilft uns, um bei der Betrachtung einen analytischen Blick zu bewahren. Dabei ist eines der häufigsten, oft zwar größten, dabei aber unauffälligsten Bildelemente der Ort an dem die Szene stattfindet.

Egal ob abstrakt, in Form einer transzendenten Monochromie, eine Architektur oder Landschaft: Orte rahmen die (Bild-)Geschichte. Sie geben ihr einen Kontext, der uns das Geschehen einordnen lässt. In der Kunstgeschichte gibt es Darstellungen, die einen bestimmten Ort oder Raum in einer immergleichen Ikonographie aufgreifen. Der Ort ist Kanon. So beispielsweise in „Mariä Verkündigung“ – in den meisten Darstellungen der Geschichte rahmt das Haus die Handlung. Wir erkennen die Szene sofort. In Luca Zaniers Fall: Die Darstellung von Macht und die Abwesenheit von Menschen.


So wird das FIFA Exekutivkomitee beispielsweise von einem riesigen, deckenfüllenden Kristallleuchter umsäumt. In den unterirdischen Sitzungssaal dringt keine andere Lichtquelle ein. Ex-Fifa-Präsident Joseph Blatter fand, das Licht müsse in Räumen wie diesem „von den Leuten kommen, die da drinnen sind“. Was sagt der Raum über die Entscheidungstreffer und den -prozess aus? Es ist ein exklusiver Raum, er hat etwas Geheimnisvolles und Verschwörerisches, es soll nichts nach außen dringen.

Im Gegensatz dazu ist der Lesesaal in der 6. Etage des Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrums -Teil der Zentralbibliothek der Berliner Humboldt-Universität – weit und offen. Als Herzstück des Gebäudes ist der zentrale Lesesaal aus der Sehnsucht nach dem „Lesen unter dem freien Himmel“ entsprungen und gestattet den Besuchern durch ein Glasdach den Blick in den Himmel, was unbegrenztes Wissen evoziert. Die strenge Symmetrie des Raumes, seine klare Aufteilung lässt keine Ablenkung von Arbeit und Lernen zu. Das verwendete Holz strahlt Ruhe und Beherrschtheit aus. Der Lesesaal erinnert selbst an ein unendliches Bücherregal.

An all diesen Orten lassen sich gesellschaftskritische Fragen aufwerfen: Wer hat Zugang zu diesem Ort? Welcher Verhaltenskodex ist erwünscht, welchen vestimentären Codes ist nachzugehen? Wer fällt auf, wer nicht? All das sind Fragen, die sich bei der Betrachtung von Zaniers Bildern aufkommen.


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