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LINSE AUF// MANNHEIM

verlängert bis 27. März 2022!

09. 12. 2021- 27.02.2022

LINSE AUF // MANNHEIM

9. Dezember 2021 bis 27. Februar 2022

“Herr Fotograf, kommen Sie morgen wieder?”

(R. Häusser, Schwarz und Weiß, S. 136)

Mannheim ist eine Stadt mit enormer Entwicklung, voller Veränderung und Leben. Und voller spannender Motive! In der aktuellen Ausstellung LINSE AUF//MANNHEIM richten wir ab 9. Dezember den Scheinwerfer auf die Stadt, auf ihre Geschichte, ihre Facetten, ihre Menschen und ihre Fotografen.

 

Die Idee zur Ausstellung entstand gemeinsam mit der GBG - Mannheimer Wohnungsbaugesellschaft mbH bei einem Besuch im Mannheimer MARCHIVUM. Dort lagern seit Jahren in einigen unscheinbaren Archivkisten zahlreiche Fotografien und Negative, die einer der berühmtesten Fotografen, welche Mannheim hervorgebracht hat, als Auftragsarbeiten für die “Gemeinnützige” wie er sie selbst in seiner Autobiografie nennt (R. Häusser, Schwarz und Weiß, S. 135 und 136) angefertigt hat: Robert Häusser. Überhaupt war sein erster größerer Auftraggeber in Mannheim die GBG und Häusser arbeitete viele Jahre für sie. Bei der Sichtung des Materials waren wir alle begeistert nicht nur von der Qualität der Aufnahmen, sondern auch von dem Bild der Stadt, das in ihnen aufschimmert: so etwa das Mannheim der 1950er/1960er Jahren als lebenswerte Stadt im Aufbruch voller neuer Architektur, als Lebensmittelpunkt, als Ort für Familien, als Arbeiterstadt. Die aus dieser Erkundungstour hervorgegangene Ausstellung LINSE AUF//MANNHEIM zeigt, als erster Auftakt einer möglichen weiteren Aufarbeitung des Materials, einige ausgewählte Auftragsarbeiten Robert Häussers aus den Beständen der Mannheimer GBG.

 

Dabei hat sich mit Blick auf Häussers Autobiografie gezeigt, dass er den Aufträgen für die GBG selbst eine besondere Rolle beigemessen hat. Sie erteilte ihm den ersten großen Auftrag, der ihm die ersehnte Möglichkeit bot, als Fotograf Geld zu verdienen. Und Geld benötigten die Ostflüchtlinge, welche 1952 nach Mannheim kamen, dringend. “Nach Tagen kam ein Brief der ‘Gemeinnützigen’: ‘Wir bitten Sie, zwecks Erstellung einiger fotografischer Aufnahmen bei uns vorzusprechen’[...]’ Erstellen Sie 10 Aufnahmen von den Neubauten der Schönau-Siedlung bis Ende der Woche.’ (R. Häusser, Schwarz und Weiß, S. 136). Und Häusser schließt diesen Auftakt mit der Bemerkung ab: “Was für ein Großauftrag!” (R. Häusser, Schwarz und Weiß, S. 136). 

Über Jahrzehnte fertigte er Auftragsarbeiten für die GBG und in den Anfängen waren es eben jene, die Robert Häusser erst ermöglichten, sich wieder seiner künstlerischen Arbeit zuzuwenden, zu reisen. Er selbst beschreibt die beruflichen Ereignisse in Zusammenhang mit seiner sogenannten “Hellen Periode” 1953/54, die mit von seinem Gefühl getragen war, endlich in einer freien Welt angekommen zu sein, in der er selbst sein Schicksal in der Hand hielt. (R. Häusser, Schwarz und Weiß, S. 137). So sind hier Auftragswerke und Kunst vielschichtig verwoben und Häussers in der Ausstellung gezeigte Bilder sind sowohl persönliches als auch stadthistorisches Dokument. Auch schimmern an vielen Stellen seine künstlerischen Ansprüche in den Werken hervor und kreieren einen besonderen Blick auf die Stadt Mannheim, welche seine neue Heimat geworden war.

 

"Die Auftragsarbeiten von Robert Häusser entwickeln ebenso wie sein künstlerisches Oeuvre aus der Synthese von Inhalt und Form, von Vorgabe und fotografischer Umsetzung eine eigene suggestive Kraft und Faszination."

 

Prof. Dr. Claude W. Sui, Leiter / Forum Internationale Photographie der Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim

 

Bereits 2018 befasste die Prince House Gallery sich schon einmal mit dem Thema Mannheim: Im Rahmen eines großen Ausstattungsprojektes mit fotografischen Arbeiten für das neu gebaute Hilton Garden Inn am Hauptbahnhof entstanden mehr als 1000 Arbeiten des Fotografen Christian Borth unter dem Titel “Mannheim Connected” - eine vielschichtige, manchmal auch augenzwinkernde Auseinandersetzung mit der Stadt wie wir sie heute kennen: Stadtansichten, Wettbüros, Orte der Kultur, Pferderennen, Pudelclub - so ganz anders als die Arbeiten Robert Häussers. Auch diese Arbeiten entstanden wie bei Häussers Arbeiten der GBG als Auftragsarbeiten, allerdings mit dem Unterschied, dass sie primär ein Bild der Stadt entwerfen, das für den Gast der Stadt und des Hotels geschaffen wurde.

 

Und auch andere Fotografen aus Mannheim sowie der umliegenden Region haben ihre Linse aus unterschiedlichsten Perspektiven auf die Stadt gerichtet und sie zum Bildmotiv gemacht: 

 

Roland Behrmann, heute tätig in Berlin, fotografierte im Jahr 2007 das jüdische Pauline-Maier-Altenheim vor dessen Abriss und verfasste über das Gebäude seine Magisterarbeit an der Universität Heidelberg. In der Ausstellung zeigen wir einige der entstandenen Arbeiten aus der Serie “Abschied” in Kombination mit Objekt-Artefakten aus dem Abrissgebäude.

 

Falk Kastell, der Robert Häusser gegen Ende seines Lebens noch persönlich kennenlernen durfte, nähert sich in einem Projekt für Engelhorn über ein bedeutendes Mannheimer Unternehmen der Stadt und zeigt in seinen Werken, oft durchzogen von kunsthistorischen Bezügen, eine visualisierte Bildidee zum Mannheimer Traditionsunternehmen. So etwa in einer seiner bedeutendsten Arbeiten, der “Olympiada”, die er für die Gemeinschaftsausstellung zum 125-jährigen Jubiläum des Modehauses schuf.

 

Die Fotografin Sabine Arndt hat extra 2021 für LINSE AUF//MANNHEIM wichtige Mannheimer Plätze in ihrer Serie “Spielplätze” porträtiert. Die Arbeiten verbinden in sich mehrere Perspektiven des Raumes zu einem Bild des gezeigten Platzes. Sind es viele Bilder? Ist es eines? Immer neue Ebenen dessen was da ist und dessen was fehlt entdeckt der Betrachter in den fast grafisch anmutenden Werken.

 

Der Fotograf Markus Kaesler zeigt im wahrsten Sinne des Wortes einzigartige Bilder der Stadt: Seine analogen Arbeiten sind Unikate und entstehen mit einer selbstgebauten Lochkamera, die Negative sind zerschnitten auf der Rückseite der Arbeit zu finden. Es sind Lichtwerke von Unterführungen und eine auf bloße Belichtung und Bewegung reduzierte Ansicht des Mannheimer Paradeplatzes. Reduktion und Abstraktion überführen die Lichter der Stadt in eigene Formen. Begleitet werden diese Bilder von Aufnahmen berühmter Jazzer, die regelmäßig beim Enjoy Jazz Festival das Mannheimer Kulturleben prägen.

 

Gerhard Vormwald erhebt in einem seiner ausgestellten Bilder besondere Mannheimer Bewohner zu Helden: “Schwäne Mannheims” zeigt im Vordergrund die benannten tierischen Bewohner in ungewöhnlicher Perspektive von unten aus dem Wasser heraus. Im Hintergrund zu sehen ist das Collini Center in der wolkenvollen Dämmerung in starkem Kontrast zum weiß der Schwäne.

 

Im Zusammenspiel entfalten die Arbeiten der sieben Fotografen einen vieldimensionalen Einblick in die Stadt, zwischen dokumentarisch und experimentell, damals und heute, nah und fern. Teils als Auftragsarbeiten entstanden, teils als freie Kunstwerke werfen sie die Frage auf, was überhaupt im eigentlichen Sinne dokumentarisch ist, finanzieren doch sehr viele Fotografen, darunter lange Jahre auch Robert Häusser, ihren Lebensunterhalt über Auftragsarbeit und zahlreiche fotografische Kunstwerke entstehen auch heute in diesem Kontext.

Entdecken und wiederentdecken Sie gemeinsam mit uns neue und alte Facetten, bisher unbekannte Perspektiven und qualitätvolle Arbeiten.

Ab dem 9. Dezember heißt es LINSE AUF//MANNHEIM.

 

Wir freuen uns auf Sie.